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Diener und Dame /Faul und fein, fleißig und ruhig merke ich hiermit an, daß ich herzlos, unfein wurde. Ich besitze keinen Respekt vor Frauen mehr und möchte über diese Errungenschaft einfach weinen. Wer verschafft mir die Fähigkeit, tief aufzuschluchzen? Niemand? Es ist traurig! Sprach mich da eine Dame an, indem sie mit artiger Stimme vorbrachte: "Lieber!" "Ich bin nicht Ihr Lieber", entgegnete ich. Sie fuhr fort und redete: "Ich las Ihre Bücher und entnahm ihnen, daß Sie Diener waren, und ich lade Sie nun ergebenst ein, mein Diener zu sein. Sie sollen es schön haben, ich versichere es Ihnen." "Schönen Dank für's Schönhaben", kam's ungezwungen aus meinem dummen Mund heraus. "Lassen Sie sich mal ordentlich ansehen." Und ich fixierte sie sehr hochnäsig und sagte: "Ich setze eventuell manches an Ihnen aus." "Das würde ich reizend finden", fand sie den Mut zu erwidern. Wie scharmant, wie bescheiden, und ich Weltherumgewanderter, -gereister sprach zu ihr: "Ihr Wunsch sollte mich bestechen. Gewissermaßen rührt mich Ihr gutgemeinter Antrag. Offenbar meinen Sie es mit mir nur zu gut. Sie scheinen mir sehr niedlich. Was war ist, soll gesagt sein. Daneben aber ist mit einer Qualität von meinem Unfang keineswegs zu spaßen. Ihr Aussehen voll Gutmütigkeit verstimmt mich. Ihr so netter Glaube an mich läßt mich kalt. Im übrigen benehme ich mich gern anders, als wie es Bücher erwarten lassen, die ich lediglich schrieb, damit sie gelesen würden. Ich bin in Wirklichkeit eine ganz besondere Art von Diener, und um den Bücherdiener kümmere ich mich nicht, daß sie das wissen. Lassen Sie mir bitte das bißchen Kunst hübsch im Rahmen. Sie gefielen mir sonst nicht schlecht, aber sie haben sich einer Harmlosigkeit schuldig gemacht, die mich verpflichtet, Ihnen mit der nötigen Geringschätzung zu begegnen, was Sie mir hoffentlich nicht verübeln." Sie stand von Bewunderung für mich erfüllt da, war fassungslos und sprachlos. Sie tat mir leid. Von Leuten, die mir leid tun, pfleg' ich mich möglichst schleunigst zu entfernen. Das tat ich. Der Dame gönnte ich den Genuß, dem Diener nachzuschauen.
/ Von Robert Walser.
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Herr und Dienerin /
Faul und fein, fleißig und ruhig merke ich hiermit an, daß ich herzlos, unfein wurde. Ich besitze keinen Respekt vor Männern mehr und möchte über diese Errungenschaft einfach weinen. Wer verschafft mir die Fähigkeit, tief aufzuschluchzen? Niemand? Es ist traurig! Sprach mich da ein Herr an, indem er mit artiger Stimme vorbrachte: "Liebe!" "Ich bin nicht Ihre Liebe", entgegnete ich. Er fuhr fort und redete: "Ich las Ihre Bücher und entnahm ihnen, daß Sie Dienerin waren, und ich lade Sie nun ergebenst ein, meine Dienerin zu sein. Sie sollen es schön haben, ich versichere es Ihnen." "Schönen Dank für's Schönhaben", kam's ungezwungen aus meinem dummen Mund heraus. "Lassen Sie sich mal ordentlich ansehen." Und ich fixierte ihn sehr hochnäsig und sagte: "Ich setze eventuell manches an Ihnen aus." "Das würde ich reizend finden", fand er den Mut zu erwidern. Wie scharmant, wie bescheiden, und ich Weltherumgewanderte, -gereiste sprach zu ihm: "Ihr Wunsch sollte mich bestechen. Gewissermaßen rührt mich Ihr gutgemeinter Antrag. Offenbar meinen Sie es mit mir nur zu gut. Sie scheinen mir sehr niedlich. Was wahr ist, soll gesagt sein. Daneben aber ist mit einer Qualität von meinem Unfang keineswegs zu spaßen. Ihr Aussehen voll Gutmütigkeit verstimmt mich. Ihr so netter Glaube an mich läßt mich kalt. Im übrigen benehme ich mich gern anders, als wie es Bücher erwarten lassen, die ich lediglich schrieb, damit sie gelesen würden. Ich bin in Wirklichkeit eine ganz besondere Art von Dienerin, und um die Bücherdienerin kümmere ich mich nicht, daß sie das wissen. Lassen Sie mir bitte das bißchen Kunst hübsch im Rahmen. Sie gefielen mir sonst nicht schlecht, aber sie haben sich einer Harmlosigkeit schuldig gemacht, die mich verpflichtet, Ihnen mit der nötigen Geringschätzung zu begegnen, was Sie mir hoffentlich nicht verübeln." Er stand von Bewunderung für mich erfüllt da, war fassungslos und sprachlos. Er tat mir leid. Von Leuten, die mir leid tun, pfleg' ich mich möglichst schleunigst zu entfernen. Das tat ich. Dem Herrn gönnte ich den Genuß, der Dienerin nachzuschauen.
/ Nicht von Robert Walser.
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